Buchtip

Niagara Falls

Donnerndes Wasser

nannten die Indianer die Niagarafälle. Obwohl die Wasserfälle, drei an der Zahl, der American Fall und der Bridal Vail Fall auf der amerikanischen Seite und der 640 Meter breite Horseshoe Fall auf der kanadischen Seite weder zu den höchsten noch zu den spektakulärsten Wasserfällen auf dieser Erde zählen, üben die Fälle dennoch eine geradezu magnetische Anziehungskraft aus. Millionen von Besuchern kommen jedes Jahr, um dieses Naturschauspiel aus nächster Nähe zu erleben.

Horseshoe Falls

Das Besondere an den Fällen vielleicht: kurz bevor sich der Niagara River über 50 Meter in die Tiefe stürzt teilt eine Insel, die Goat Island, den Fluß in zwei Hälften. Und der Fluß nimmt eine 90° Biegung, optisch sehr ansprechend. Wer jetzt jedoch noch meint, die Fälle wären idyllisch gelegen, inmitten unberührter Natur, der irrt. Vielmehr sind die Fälle fast wie ein riesiger Rummel. Hotelanlagen, eine nach der anderen, Restaurants, Cafés, Souvenirläden säumen die Uferpromenade auf der kanadischen Seite. Auf der amerikanischen Seite hat man einen scheußlichen Aussichtsturm, den Observation Tower errichtet, der sich in Richtung Flußmitte vorstreckt. Wohl deswegen, weil die amerikanische Seite arg benachteiligt ist. Von dieser Seite sieht man die Fälle nämlich nur von hinten, bestenfalls von der Seite.

Kommerziell

versucht man mit allen Mitteln, alles rauszuholen was möglich ist. So kann man sich zum Beispiel mit einem Boot, der “Maid of the Mist” so nah wie's nur geht an die tosenden Wassermassen ranfahren lassen, den ohrenbetäubenden Lärm hautnah erleben, um sich anschließend im Hotelzimmer umzuziehen, da trotz Plastiktüte, die man als Spritzschutz zum Überziehen bekommt die Bekleidung von der Gischt völlig durchnässt ist. Und man kann auch gleich seinen Fotoapparat entsorgen den man unvorsichtigerweise mitgenommen hat.

Hard Rock Cafe, USA

Ein weiteres zweifelhaftes Vergnügen wäre da noch die “Cave oft he Wind” Tour. Ein Lift bringt einem in Sekundenschnelle in 50 Meter Tiefe und durch einen Stollen gelangt man direkt hinter die Wasserfälle. Weiter wie nach der Bootsfahrt. Schlaue kombinieren beide Touren kurz hintereinander und sparen sich so einmal umziehen. Für besonders wagemutige Abenteurer wäre da noch die Gondelfahrt mit dem “Aero Car” in schwindelerregender Höhe von einem Ufer zum anderen. Wer's lieber gelassener angehen möchte: auf beiden Seiten findet man schell und einfach ein “Hard Rock Cafe”.

Limonade

Interressant auch,

die Wassermassen werden bedarfsabhängig reguliert, je nachdem ob gerade Touristensaison ist oder nicht. Weiter oberhalb wird der Fluß umgeleitet zur Stromgewinnung und so kann's vorkommen, dass in der Nacht die Wassermenge über die Fälle auf bis zu 10% runtergedrosselt wird. Morgens wird dann wieder die Touristenwassermenge per Knopfdruck eingestellt.

Also Fotografen, seid früh genug da bevor's Wasser abgedreht wird für das perfekte Panorama allabendlich. 18 Xenonscheinwerfer beleuchten nun die Szenerie in allen Regenbogenfarben. Fast meint man, da fließt jetzt Limonade den Bach runter.