Buchtip

Neuengland

Keine endlosen Highways, keine Mickymäuse, keine Cowboy-Romantik und keine Halli-Galli-Städte.

Welcome to New England

Die sechs Neuenglandstaaten Rhode Island, Connecticut, Massachusetts, New Hampshire Vermont und Maine entsprechen nicht den gängigen Amerika-Klischees. Im Nordosten der USA gelegen, zusammen gerade mal halb so groß wie Deutschland, wirken die Neuenglandstaaten mehr europäisch als amerikanisch.

Map Neuengland “Fall Foliage”

Es riecht nach Herbst, die Natur explodiert in einem Farbenmeer wie sonst nirgends auf der Erde. Der “Indian Summer” macht die Wälder zum Mega-Hit für Touristen. Via Hotlines und Radio erfahren die “Leaf Peepers”, die Blättergucker, wo die Bäume gerade am buntesten sind. Schuld an der Farborgie ist das herabtropfende Blut und Fett des “großen Bären”, den der himmlische Jäger vor Beginn des Winters erlegt, so die mythologische Erklärung der Algonkin-Indianer.

Nord- und Nordwestwinde

bringen extrem trockene Luft heran und damit kalte Nächte und sonnenwarme Tage ohne eine einzige Wolke am strahlendblauen Himmel. Hinzu kommt, dass hier nach der letzten Eiszeit ein viel größerer Artenreichtum an Laubbäumen – allein zwanzig Ahorn- und neun Eichenarten – erhalten blieb als in Europa. Ursache hierfür ist der Verlauf der Gebirgszüge. Während die Alpen in Ost-West-Richtung liegen und so eine Barriere für die Pflanzen darstellten, konnten sich die Laubbaumarten in Nordamerika entlang der nord-südlich verlaufenden Appalachen problemlos ausdehnen.

Eine der schönsten Routen durch diese Bilderbuchlandschaft folgt dem Highway 100, entlang der weit geschwungenen Hügel der Green Mountains, die dem Staat Vermont seinen Namen gaben. Historische Dörfer und Kleinstädte, wie von einer Modelleisenbahn, mit schlichten weißgetünchten Kirchen, einer Reihe schmucker Holzhäuser und ein zum Souveniershop aufgemöbelter alter General Store, burgunderrote Bauernhöfe und Scheunen, tiefblaue Seen und der allgegenwärtige “Fall Foliage” wie die Leute hier zum Altweibersommer sagen, machen allerdings jede Straße zur “scenic road”.

Zu den fotogensten Attraktionen gehören die “Covered Bridges”, überdachte Holzbrücken, mal rot, mal braun, mit oder ohne Fenster, 107 Brücken im gesamten Staat Vermont. Herbstblumen, Vogelscheuchen und Kürbisse in allen erdenklichen Formen, Farben und Größen, liebevoll drapiert auf der Holzveranda, vervollständigen das Bild.

Maple Syrup

Maple Syrup

Eines der bekanntesten Produkte aus dieser idyllischen Bauern-Welt ist der Ahorn Sirup. Die Gewinnung dieses süßen Saftes ist mühsam und alles andere als Zuckerschlecken. Nach traditioneller Indianermethode zapfen die Ahornfarmer den Saft ab Anfang März. Wenn die Tage warm und sonnig sind, die Nächte jedoch frostig, dann produzieren die Bäume besonders viel Saft. In den “Sugar Houses” wird dann die Flüssigkeit zu einem süßen Sirup verkocht. 150 Liter Baumsaft verflüchtigen sich dabei zu kläglichen vier Litern Sirup.

Am Ende des Highway 100 noch ein Kuriosum: die kanadische Grenze verläuft nicht nur mitten durch den Lake Memphremagog, sondern auch durch das Opernhaus von Derby Line. Während das Publikum auf der amerikanischen Seite sitzt, wird in Kanada aufgeführt.